Willkommen auf April, 2008 | Bücher - Romane, Krimis und mehr über eure Lieblingsbücher - Part 2

Buchcover zu “Klimakriege”In seinem neuesten Buch „Klimakriege – Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“ beschreibt der Sozialpsychologe Harald Welzer eine düstere Zukunftsprognose um die Folgen des Klimawandels auf unsere globalen gesellschaftlichen Strukturen.

Dieses Jahrhundert wird für die Weltbevölkerung, besonders die Europas und Afrikas, laut Welzer massive Veränderungen bringen. Schon jetzt merken wir die Folgen des Klimawandels deutlich und während die einen es lächelnd abtun, in der BILD-Zeitung darüber lesen oder nur die Veränderungen der Umwelt bedenken, könnten hierdurch aber auch bestehende gesellschaftlichen Strukturen aufgelöst und mit fatalen Auswirkungen abgewandelt werden.

Zurückgehende Ernten und ein Mangel an Trinkwasser führen in betroffenen Gebieten schon heute zu ökonomischen und sozialen Katastrophen und dieses Phänomen wird sich ausweiten. Auch wir, die sogenannten reichen Länder, könnten davon massiv beeinflusst werden. Schon heute haben diese Umstände zu riesigen Flüchtlingsströmen und Bürgerkriegen geführt, wie die Völkermorde in Dafur oder Ruanda zeigen.

Aber Harald Welzer gibt auch Ausblicke auf das, was man dagegen tun kann oder es zumindest versuchen. Neben einer guten Übersicht über die aktuelle politische Weltlage, verleiht er durch ihre teils neue Kombination alten Thesen eine besondere Intensität.

Andere Rezensionen haben diesem Buch Pathos vorgeworfen. Das finde ich aber überhaupt nicht. Seine Sprache bleibt bei allem sehr sachlich und er hat zudem einen wirklich guten Recherchejob geamcht. Wenn ein gewisses Pathos aufkommt, dann dient es dazu dem Leser den Ernst der Lage begreiflich zu machen und ist somit an manchen Stellen einfach notwendig und verständlich. Wer kann schon bei der Aussicht auf Krieg um Nahrung oder der Veränderung bzw. Intensivierung bestehender oder festgefahrener Strukturen stets sachlich bleiben? Das wäre, meiner Meinung nach, reine Polemik!

Harald Welzer beschreibt uns einen schockierenden Ausblick auf eine mögliche Zukunft, die wir jetz aber noch in dieser Form verhindern können.

Hörbuch zu Rethers Programm “LIEBE”

Als ich Hagen Rether das erste Mal sah, war ich absolut dankbar! Dankbar für seine bissigen Pointen, für seine messerscharfen Ein- und Ansichten in unsere Gesellschaft und Politik und für seinen Mut die Wahrheiten dem Publikum unerschrocken und direkt vorzuhalten.

Dankbar auch dafür, dass es auch noch jüngere Menschen unter den Kabarettisten gibt, die rein politisch und gesellschaftskritisch bleiben und nicht ganz oder nur zum Teil in den Comedybereich abrutschen. Ich kann diese bescheuerten Alltagswitze nicht mehr hören, à la „Neulich im Supermarkt“ oder „Kennen Sie den Unterschied zwischen Männern und Frauen“. Genau diesen Comedymist würzen viele dann noch mit ein bisschen Politik (Ich äffe die Kanzlerin nach) und schon nennt man das heute bei den Jüngeren politisches Kabarett.

Hagen RetherLange musste man auf neue Ansätze im diesem Bereich warten (Nichts gegen Jonas, Priol, Rebers, Richling und Co.). Hagen Rether experimentiert mit den Formen und Darstellungsweisen des Humors. Er gibt dem politischen Kabarett ein Stück Kunst zurück.

Sein Programm „LIEBE“ rechnet ehrlich und direkt mit dem ab, was unsere Medien-, Gesellschafts- und Politiklandschaft so antreibt, abtreibt und eintreibt…

Er sagt forsch seine Meinung und immer wieder kann man im Publikum Menschen beobachten, die sich auf den Schlips getreten fühlen oder sich fragen, ob sie an dieser Stelle überhaupt lachen dürfen. Und das ist gut so. Nur auf diese Weise kann man Menschen wecken.

Und Rether macht dies auf seine einmalige leise Holzhammermethode. Auch hat er verstanden, dass nicht einzelne Leute im System, die man schnell mal zu Sündenböcken abstempeln kann, das Problem sind, sondern dass es das System selbst ist.

Hagen Rethers Art und Weise zu beschreiben ist wirklich schwierig, am besten sieht man sich ihn selbst an oder holt dies per Hörbuch nach! 🙂

Spätestens seit der Verfilmung (2006) des Buches „Die schwarze Dahlie“ von Brian de Palma oder „L.A. Confidential“ ist vielen der Krimi- und Thrillerautor James Ellroy ein Begriff.

Ellroy ist ein Meister im Beschreiben von düsteren Szenen und noch dunkleren und geheimnisvolleren Charakteren.

Cover der Neuauflage von “Black Dahlia”Und auch „Die schwarze Dahlie“ trägt diese Stimmung unentwegt vor sich hin. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begenbenheit. Die Sprache ist hart, direkt und meist recht zynisch.

Wir befinden uns in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre: Die beiden Cops Dwight „Bucky“ Bleichert und Leland „Lee“ Blanchard, beide Ex-Boxer, werden beide auf den Mordfall des 22-jährigen Möchtegern-Starlets Elizabeth Short angesetzt, deren Leiche bestialisch zugerichtet wurde. Schnell zerreißen die Medien den mysteriösen Fall um die „Schwarze Dahlie“, wie sie aufgrund ihrer Vorliebe für schwarze Kleidung genannt wird.

Der Fall wird für die Polizisten zu einer Obsession der sie nur schwer standhalten können. Immer mehr werden sie in finstere Machenschaften gezogen…

James Ellroy nimmt uns mit in eine Welt voller Korruption, Prostitution, Rassenhass, Brutalität und Intrigen, zudem räumt er nach und nach mit der Industrie in Hollywood auf.

Seine Charaktere sind wahnsinnig gut gezeichnet und er nimmt sich auch zu Anfang genügend Zeit, diese und ihr Leben genau aufzubauen und darzustellen. Stück für Stück nähert er sich dem eigentlichen Handlungsstrang an, so dass man die Handlungweisen der Protagonisten nachvollziehen kann und sogar eine eventuelle Identifikation möglich ist. Durch seinen klaren und gut durchdachten Stil macht er komplizierte Handlung verständlich.

Ein wirklich gut konstruierter und intelligenter Krimi, der einen ziemlich schnell mitreißt und auch immer in dieser Stimmung gefangen hält. Für Thriller– und Krimifreunde absolut empfehlenswert!

Ach übrigens, James Ellroy hat das Drehbuch zu dem neuen Film mit Keanu Reeves „Street Kings“ geschrieben.

Buchcover zu “Jaguar und Neinguar”Viele werden den Autor Paul Maar vor allem durch seine Geschichten über das Sams kennen. Doch Maar kann nicht nur gute Geschichten für Kinder erzählen, er ist auch ein fleißiger Schreiben von amüsanten Versen.

Solche Art von Kinderbüchern ist in meinen Augen, bei all der heutigen Reizüberflutung und dem Trendbewusstsein, das bereits den Kleinen eingeimpft wird, übrigens wirklich erholsam und wichtig.

In seinem neuesten Buch mit dem, wie ich finde, sehr gelungenen Titel „Jaguar und Neinguar“ wurden an die 200 Gedichte Paul Maars zusammengefasst.

Mit viel Charme und Witz vermittelt er so Kindern Gedichte und beweist, dass sie gar nicht langweilig und altbacken sein müssen.

Es gibt hier einfache Abzählreime, die gut ins Ohr gehen, kleine Erzählungen in Gedichtform über Hexen, Drachen und Zauberer, aber auch Rätsel- und Schüttelverse.

Aber auch das allseitsbeliebte Sams ist in ein paar Versen vertreten.

Ute Krauses Bilder unterstreichen frech den Wortwitz Maars und machen so das Lesen zu einem noch größeren Vergnügen.

Und nicht nur Kindern werden die witzigen und intelligenten Reime gefallen. Das ist ein Buch, bei dem Eltern beim Vorlesen genauso unterhalten werden wie ihre Kinder. So wird die Gute-Nacht-Geschichte, wozu sich die Gedichte übrigens besonders gut eignen, zu einem spielerischen Umgang mit Worten.

Ein Buch für Jung und Alt!

Beispiel für eine Gedichtsammlung KästnersEiner meiner Lieblingsautoren ist auf alle Fälle Erich Kästner. Viele kennen ihn wahrscheinlich in erster Linie als Autor von Kinderbüchern wie „Pünktchen und Anton“. Diese Klassiker sind auch heute noch absolut (vor-)lesenswert.

Aber Kästner hat auch viel anderes für das „erwachsenere Publikum“ 😀 geschrieben. Vor allem seine Gedichte schätze ich sehr. Sie sind humorvoll, satirisch, aber auch ernst und stellen einmal mehr Erich Kästners großartiges Sprachtalent unter Beweis.

Eines der wohl bekanntesten und, in meinen Augen, auch besten ist folgendes:

Die Entwicklung der Menschheit

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.

Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.

Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

Kästners Gesellschaftskritik in Form eines Augenzwinkerns habe ich schon immer geliebt.

Eine Lektüre seiner Gedichte ist also absolut lohnenswert!

Wer mehr über Erich Kästner erfahren will, schaut am besten mal auf kaestner-im-netz.de vorbei.

Buchcover zu “Eragon - Band 1″In den letzten Jahren sind ja viele Autoren auf den Fantasy-Zug, ausgelöst durch Peter Jacksons großartige Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ (dazu später mehr), aufgesprungen, sei es, weil sie das große und schnelle Geld wähnten oder einfach nur fasziniert von einer andern Welt waren. Und manche von ihnen hatten dann auch das meist unverdiente Glück, aus welchen Gründen auch immer, offiziell mitgehypet zu werden. Bravo!

Und auch Eragon“ von Christopher Paolini war so ein Werk.

Die Story ist absolut durchschnittlich und schnell erzählt. Der 15-jährige Eragon lebt in armen, aber traumhaften Verhältnissen 😉 in einem kleinen Dorf in den Bergen.

Eines Tages findet er einen seltsamen Stein, der sich schließlich als Drachenei entpuppt. Und kaum ist der kleine Drache geschlüpft ändert sich sein bisheriges Leben. Plötzlich wird er von grausamen Männern gejagt, die seine Familie töten und das Dorf abbrennen.

Buchcover zu “Eragon - Band 2″Mit dem Drachen im Schlepptau macht er sich auf die Suche nach den Mördern. Und schon nehmen die schicksalhaften Ereignisse seinen Lauf. Es stellt sich auf einmal heraus, dass er dem König den Thron streitig machen kann, da dieser ebenfalls ein Drachenreiter ist. Und so weiter und so fort…

Die Story ist ja durchaus nett und ganz niedlich geschrieben, was ja durchaus auch passt, da der Autor, als er das Buch geschrieben hat, erst 15 Jahre alt war. Und so klingt es auch… Die Geschichte setzt sich aus der Fantasie eines pupertierenden Teenagers zusammen, der alles was er über Fantasy (Tolkien) oder Science-Fiction (Star Wars) weiß, in einem Buch verwurstet. Ich gönne ihm ja den Erfolg und ich finde es auch lobenswert, dass es auch noch Jugendliche gibt, die sich mit Schreiben, Lesen und ihrer Fantasie auseinadersetzen. Aber warum sind die Leute weltweit so blöd und fallen darauf rein? (Ist nicht persönlich gemeint, nur meine Sicht der Dinge 😉 )

Sind wir wirklich schon auf dem Niveau, dass niemand mehr die alten Fantasy-Klassiker kennt oder schätzt? Und versteht die Masse Mensch nur die Sprache eines 15-Jährigen und nichts darüber hinaus?

Ich kann allen nur raten, sich mal mit den alten Sagen und Mythen (von der Edda über die keltischen Legenden bis hin zu Homer) oder mit klassischen Kinderbüchern (Michael Ende, usw.) und Fantasyautoren (Tolkien etc.) zu beschäftigen. Da findet man alles, was die J.K. Rowlings dieser Welt schamlos zusammengeklaut haben, bereits vor, nur tausendmal fantasievoller und besser!

Und im September diesen Jahres kommt auch schon der dritte Band heraus. Na, da darf man ja auf den Hype gespannt sein, jetzt wo die Rowling stiller wird… 😀

P.S. Nicht umsonst findet man auf youtube unzählige Veräppelungen…

Buchcover zu “Kalte Asche”Mit „Kalte Asche“ setzt Simon Beckett die Geschichte des Protagonisten David Hunter aus seinem Debütroman „Die Chemie des Todes“ fort.

Und auch hier stellt Beckett sein Talent für langsam heranwachsende Spannung, die sich dann in einem überraschenden Ende entlädt, und Figurenzeichnung unter Beweis.

Der forensische Anthropologe Dr. David Hunter wird auf eine kleine schottische Hebriden-Insel namens Runa gerufen, wo er eine verbrannte Frauenleiche begutachten soll. Doch ein Sturm schneidet die Insel für eine Woche plötzlich von der Außenwelt ab. Als ein weitere Leiche gefunden wird, bleibt Hunter nichts anderes übrig als auch bei den weiteren Ermittlungen der örtlichen Polizei zur Hand zu gehen.

Dieses gelungene Szenario macht die eh schon einsame und kleine Welt der Insel noch kleiner und fördert so die Verdächtigungen und Schuldzuweisungen unter den Anwohnern, denn der Mörder muss unter ihnen sein.

Buchcover zum Vorgänger “Die Chemie des Todes”Obwohl Beckett hier wieder, wie schon in „Chemie des Todes“, den Schauplatz der in sich geschlossenen Gemeinde wählt, hat der Leser nicht das Gefühl einer Wiederholung. Er schafft es das kleinbürgerliche und ländliche Milieu noch detailierter unter die Lupe zu nehmen.

Die Charaktere werden nach und nach aufgebaut ohne hölzern oder steif zu wirken. Dies dauert natürlich eine Weile bis dann die Spannung einsetzt, aber genau dieses Zeitlassen habe ich bei all dem sonstigen Action- und Sensationsgeheische als sehr angenehm empfunden.

Das Ende ist wirklich überraschend, wirkt allerdings an manchen Stellen etwas zu sehr konstruiert.

Alles in allem ein wirklich guter und intelligenter Krimi und seinem Vorgänger absolut ebenbürtig.

Cover zum Sammelband der “Robotergeschichten”Wie kein Zweiter hat der amerikanische Autor und Wissenschaftler Isaac Asimov das Bild der Roboter in der Science-Fiction-Literatur, aber auch unserer Gesellschaft geprägt und verändert.

Unsere Welt wird immer mehr von Technologien bestimmt. Schon längst sind menschenähnliche Roboter keine Hirngespinnste mehr und die Möglichkeit zur Verschmelzung von Mensch und Maschine ist in unmittelbare Nähe gerückt.

Und wieder einmal hat die Science-Fiction, wie damals beispielsweise Jules Verne, dieses Bild einer neuen Technologie vorweggenommen.

Isaac Asimov beschreibt in seinen Robotergeschichten den Einzug der Roboter in die Gesellschaft mit aller anfänglichen Skepsis bis hin zu der Zeit, in der die Robotik zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist.

Manchmal amüsant oder kurzweilig, über gesellschaftskritisch, bis hin zu philosophisch oder psychologisch beleuchten die Kurzgeschichten wichtige Aspekte des Verhältnisses Maschine/Mensch.

Engl. Buchvover zu “I, Robot”Auch die berühmten drei Robotergesetze stammen aus einer dieser Kurzgeschichten:

1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

2. Ein Roboter muss dem ihm von einem Menschen gegebenen Befehl gehorchen, es sei denn, ein Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, so lange dieser Schutz nicht mit Regel Eins oder Zwei kollidiert.

Ein Muss für jeden Science-Fiction-Fan und alle, die es noch werden wollen. Ein echter Klassiker!

P.S.: Der Film „I, robot“ (Titel nach einer Kurzgeschichte von Asimov) mit Will Smith basiert angeblich auf den Geschichten von Asimov. Hat diese aber so sehr und teils lieblos abgewandelt, dass das Hintergründige und Eigentliche verloren gegangen ist. Schade!

Thomas Pynchon bei den Simpsons

Einer der wohl bedeutendsten und gleichzeitig kontroversesten Autoren der Postmoderne ist Thomas Pynchon. Ein ständiger Mythos umgibt diese Person. Kursieren doch keinerlei aktuelle Fotos von ihm – die letzten sind über 40 Jahre alt.

Doch nicht nur die selbstgeschaffene Ironie, nicht in den Medienfokus gerückt werden zu wollen und gerade dadurch aber für die Presse interessant zu werden, sondern auch Pynchons unvergleichlich kreativer Schreibstil, verhelfen ihm zu einer Sonderstellung im Literaturbetrieb.

Thomas Pynchon, 1937 auf Long Island, New York, geboren, studierte zunächst Physik, dann englische Literatur an der Cornell-Universität, wo er ein Schüler Vladimir Nabokovs („Lolita“) war. Nach seinem Abschluss 1958 lebte er in New York und arbeitete fieberhaft an seinem ersten Roman. 1960 war er für kurze Zeit technischer Redakteur bei Boeing.

Als dann 1963 sein Debütroman „V.“ erschien, begann er sich vollkommen von jeglicher Form von Öffentlichkeit abzuschotten. Deshalb ist über diese Zeit nur bekannt, dass er mit seiner Frau, mit der er auch ein Kind hat, an der amerikanischen Westküste gelebt hat. Anfang der 1990er ist er wohl nach New York, genauer Manhattan zurückgezogen, wo er wahrscheinlich heute noch lebt.

Buchvover zu “Die Enden der Parabel”Das Rätsel um seine Person ist inzwischen zu einer Art „Running Gag“ in der amerikanischen Kultur geworden. Er hat beispielsweise regelmäßig Gastauftritte bei den „Simpsons“, wobei er sich selbst spricht, die Figur aber eine Papiertüte mit Fragezeichen auf dem Kopf trägt.

Dies beweist einmal mehr Pynchons wunderbaren Sinn für Humor und Ironie, der bei aller Hoffnungslosigkeit in seinen Werken trotzdem immer mitschwingt. Zu seinen Hauptthemen zählem meist Krieg, Todessehnsucht oder Paranoia. Sein größtes Geschick ist aber zwischen den Gattungen wechslen zu können, ohne dass es jemals konstruiert oder hölzern wirkt. Er kennt sich ebenso mit Comics und Trickfilmen aus, wie mit Technik, Physik, Philosophie, Psychologie und Religion. Und all dies verbindet er zu einem realistischen Spiegelbild unserer Gesellschaft und des Menschen an sich.

In den meisten seiner Romane, wie in seinem Hauptwerk „Die Enden der Parabel“ gibt es eine Vielzahl an Charakteren und Figuren, die alle parallel zueinander handeln und agieren. So hält er stets eine literarische Momentaufnahme der Welt fest. Alles ist wie in einem Spinnennetz miteinander verwoben, bedingt sich gegenseitig und ist doch unabhängig voneinander.

Thomas Pynchon ist bestimmt nicht einfach zu lesen, aber Dranbleiben lohnt sich auf alle Fälle!

Werke (Jahr der Veröffentlichung in Deutschland):

  • V. (1968)
  • Die Versteigerung vn Nr.49 (1973)
  • Die Enden derParabel (1981)
  • Spätzünder – Frühe Erzählungen (1985)
  • Vineland (1991)
  • Mason & Dixon (1999)
  • Gegen den Tag (2008)

Buchcover zu “Campus Sanctus”

Der Autor und Journalist Iker Jiménez ist in seiner Heimat Spanien schon fast ein Star. Er hat eine Radiosendung und betreibt eine Homepage über übersinnliche und mystische Phänomene und erregt damit einiges an Aufsehen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Protagonist Aníbal Navarro seines Buches „Campus Sanctus“ beruflich sein Alter Ego zu sein scheint. Bei der Recherche zu einer Reportage für seine Radiosendung wird der Journalist Navarro immer mehr in düstere Geschehnisse verwickelt.

angebliches Selbstbildnis Hieronymus BoschsVor knapp 30 Jahren wurde die verkrüppelte Leiche des Journalisten Lucas Gálvan auf einem einsamen Friedhof eines halbverlassenen Dorfes gefunden. Navarro ist sich sicher dieser war etwas Mysteriösem auf der Spur und musste deshalb sterben. Schnell findet er einen Zusammenhang zwischen Gálvans Tod, ähnlichen Ereignissen und den Bildern von Hieronymus Bosch (,dessen Leben übrigens wirklich interessant und sehr merkwürdig war).

Er hat unheimliche Albträume (Oder sind es reale Visionen?) und wird mehr und mehr in geheime und intrigante Machenschaften hineingezogen, dass er am Ende selbst um sein Leben fürchten muss. Wird es ihm gelingen aus dieser buchstäblichen Hölle zu entkommen?

Mittelteil von Bosch Triptychon “Der Garten der Lüste”„Campus Sanctus“ ist kein herausragendes Werk oder gar ein spannender literarischer Geniestreich. Aber das muss es auch nicht sein… Es ist die perfekte kurzweilige Unterhaltung, die einen nicht nachhaltig beschäftigt und die man am Ende schnell wieder vergessen hat.

Der sprachliche Stil ist einfach und plätschert angenehm vor sich hin. Doch was das Buch am meisten auszeichnet, ist die wirklich gute Recherche. Man merkt, dass man es in dieser Beziehung mit einem Profi zu tun hat. Iker Jiménez hat interessante Zusammenhänge zwischen den historischen Fakten in den Raum gestellt ohne sie jemals als wahr zu verkaufen.

Für Fans von Mysterythrillern eine nette Urlaubs- oder Einschlaflektüre…

Buchcover zu “Frankenstein”Beim Lesen der Überschrift werden viele jetzt bestimmt schmunzeln. Doch die wenigsten haben das Buch von der damals erst 19-jährigen Mary Shelley gelesen und sehen bei dem Wort „Frankenstein“ sofort einen dunkelgrünen Kleiderschrank mit zwei Schrauben im Hals und ausgestreckten Armen durch die Gegend wanken. Aber dieses Bild hat mit dem Original wenig gemein.

Der 1818 unter dem Titel „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ erschienene Roman wird halb in Briefform, halb von einem Ich-Erzähler dem Leser vermittelt.

Der junge Schweizer Viktor Frankenstein versucht an der damals berühmten Universität Ingolstadt die Geheimnisse des Lebens und der Natur zu entschlüsseln. Er ist geradezu besessen von der Idee das Elixier des Lebens zu finden und so neues Leben künstlich zu erschaffen.

Und eines Nachts gelingt es ihm auch. Aus alten Knochen, die er nach und nach gesammelt hat, schafft er ein menschenähnliches Wesen.

Ohne etwas über die Außenwelt oder die Menschen zu wissen, wird es in die Welt entlassen. Doch es ist ein unförmiges Monster und alle haben Angst vor ihm und meiden es. Dabei wünscht es sich nichts sehnlicher als selbst ein Mensch zu sein und dazuzugehören.

Frankensteins “Film”monster © vsgzAus mangelnder Toleranz und Einsamkeit wird das Monster zu einem rachsüchtigen Außenseiter und sein Ziel ist zunächst sein „Vater“ Frankenstein. Dieser will dem Ungeheuer nun aus Mitleid eine Frau bauen, doch es gelingt ihm kein zweites Mal und ihm ist zusätzlich klar, dass dieses „Übel“ sich nicht vermehren darf. So nimmt das tragisches Schicksal seinen Lauf…

Marys Shelley hat mit Frankenstein eine äußerst sensible Gruselgeschichte geschrieben, die dem bloßen Horror ein menschliches und tragisches Element verleiht.

Das „Monster“ ist eigentlich gar kein Monster, sondern nur ein Außenseiter auf der verzweifelten Suche nach Liebe und Anerkennung. Dem gegenüber steht der besessene Wissenschaftler, der dadurch ebenfalls von der Gesellschaft isoliert ist.

Das Buch beschreibt zudem, was passieren kann, wenn der Mensch versucht Gott zu spielen. So stellt es die Allmacht der Wissenschaft in Frage und ist ein unterhaltsames Lehrstück.

Dieses Buch ist eines der wohl missbrauchtesten und missverstandensten Werke der Literaturgeschichte. Es sollte viel häufiger gelesen werden!

P.S. Nichts gegen die Monster- und Horrorfilme… 😉 Man sollte sie nur nicht mit dem Buch vergleichen!

Wer kurzweilige Unterhaltungsliteratur sucht, der ist bei José Saramago falsch. Seine Sprachgebilde sind für den normalen Leser wohl eher gewöhnungsbedürftig, aber dafür so gewaltig, dass sich ein Einlassen darauf wirklich lohnt.

Mit „Der Doppelgänger“ ist dem portugiesischen Literaturnobelpreisträger solch ein weiteres Kunststück gelungen. Die Sprache lädt teilweise wahrlich „zum Verweilen“ und Nachdenken ein. Sie kennt kaum vollständige Sätze, keine „normale“ Interpunktion, ja, sie gleicht einem stetigen Gedankenfluss, der sich um diverse philosophische Berge und ausschweifende Täler schlängelt.

Doch hat man sich einmal darauf eingelassen und sich daran gewöhnt, wird „Der Doppelgänger“ zu einer spannenden Art von Krimi mit einem überraschenden Ende.

Buchcover zu “Der Doppelgänger”Der Geschichtslehrer mit dem komischen Namen Tertuliano Máximo Afonso, unter dem er selbst leidet, ist ein geschiedener und durch und durch logischer Einzelgänger mit depressiven Anwandlungen. Er verharrt zurückgezogen in seinem normalen Alltag ohne Besonderheiten.

Eines Abends sieht er sich einen Videofilm an, der ihm wie erwartet natürlich nicht gefällt. Doch es trifft ihn wie einen Schlag als er einen Nebendarsteller entdeckt, der bis auf das kleinste Detail genauso aussieht wie er.

Nun beginnt er aktiv zu werden und nach seinem vermeintlichen Ebenbild, und somit indirekt nach sich selbst, zu suchen. Dies wird sein Leben von Grund auf verändern…

Ein Roman über die Suche nach der eigenen Identität und der Sorge nach dem Verlust derselben.

Als Leser ist man mittendrin in der intimen Gedankenwelt des Protagonisten. So verdeutlicht der Autor auch das ständige Zusammenreißen, das Formwahren und das Unausgesprochene unserer Gesellschaft.

So schweift Saramago auf teils ironische Art und Weise in philosophische und psychologische Gefilde ab und nimmt seine Rolle als Schriftsteller dabei selbst nicht zu ernst. Es tut besonders gut, bei all dem heutigen literarischen Einheitsbrei, einen Autor zu sehen der noch versucht mit der Sprache zu spielen und auch poetisch neue Wege zu gehen.

„Der Doppelgänger“ ist ein Werk bei dem Dranbleiben eindeutig belohnt wird.